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Ehe und Familie

 
 
 

18.03.2010

Kommentar des Monats: Von Pädophilie und Sündenböcken

Von Reto Widmer, Zukunft CH

Es gibt nichts schönzureden: Jeder der jüngst aufgedeckten Pädophiliefälle ist ein Greuel sondergleichen, dies besonders im geistlichen Sektor, wo es um Vorbildfunktionen, Gottesbilder, Barmherzigkeit, Moral, Liebe oder Vertrauen geht. Jeder einzelne Kindsmissbrauch ist eine Schande, gehört aufgedeckt und staatsrechtlich bestraft. „Ein Verbrechen, vor allem bei katholischen Geistlichen!“ wie Papst Benedikt XVI. klar bekennt.
Tatsache ist jedoch: Es wird mit überwiegender Mehrheit – häufig mit lustvoller und hämischer Kritik garniert – vor allem über die katholischen Fälle berichtet. Pädophilie wird als ein genuin katholisches Phänomen und, aus welchen Gründen auch immer, von gewissen modernen Medien und Denkerinnen als logische Folge von zölibatärem (ehelosem) Leben dargestellt. Ein gefundenes Fressen für Antikirchler wie Drewermann oder Geissler in Deutschland bzw. Küng und viele Tagesmedien in der Schweiz.

Wahrheit hin oder her, Hauptsache die kirchenfeindliche Ideologie kann einmal mehr zementiert und damit aufrecht erhalten werden. Tatsache ist auch, dass die meisten derjenigen Personen, die jetzt schnell den Mund offen und die Schuldigen gefunden hatten, nicht über das notwendige Wissen in Medizin, Psychologie, Kirchengeschichte und katholischer Religion verfügen, um sich als Richterinnen und Richter zu legitimieren. Dass es seit jeher ein von Jesus Christus persönlich „um des Himmelreiches Willen in der Ganznachfolge Christi“ berufenes Leben in Ehelosigkeit gibt (vgl. Matthäus 19), zu dem sich ein jeder völlig freiwillig entscheiden kann, wissen beispielsweise nur noch die wenigsten. Jesus war als erster aller Priester und als deren Vorgänger bekanntlich auch nicht verheiratet.

Warum wird der Kindsmissbrauch in diesem Ausmass nur der Katholischen Kirche in die Schuhe geschoben? Warum spricht niemand z.B. über die im Islam und im Hinduismus vergewaltigten Kinder (auch in unserem Land!)? Wollen wir doch mal einen Blick in die „zeitgemässe“, „aufgeschlossene“ und „befreite“ ausserkirchliche Welt werfen:

In Deutschland gibt es pro Jahr rund 15‘000 Fälle „sexuellen Missbrauchs“, die staatsanwaltlich erfasst werden, davon beläuft sich die Anzahl kirchlicher Fälle im Promillebereich. In Österreich kommen auf 17 kirchliche Fälle deren 510 in ausserkirchlicher Umgebung. Portugal erlebte 2003 eine ganze Serie von sexuellem Missbrauch an Kindern. Die Täter waren Ärzte, Rechtsanwälte, Fernsehmoderatoren, ja sogar Komiker und Botschafter, fast alle verheiratet. Der Kinderschänderring um Marc Dutroux und Michel Fourniret von Frankreich und Belgien 2004, bei dem dutzende Kinder nicht nur misshandelt, sondern auch noch getötet wurden, bestand nicht aus Priestern und Ordensleuten, sondern aus verheirateten Politikern und Managern. Im Anklagen schlagfertig gab sich auch die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, welche die katholische Kirche frontal angegriffen und für die Pädophiliefälle verantwortlich gemacht hat. Eigenartigerweise sitzt die Dame auch im Beirat der deutschen „Humanistischen Union (HU)“, welche seit Jahren versucht, Pädophilie zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung zu verhelfen und eine Quasi-Legalisierung von Sex mit Kindern gesetzlich zu verankern. Nach diesen HU-Leitlinien hat die progressive Odenwaldschule unterrichtet, wo erst vor wenigen Tagen herauskam, dass der in homosexueller Beziehung lebende Schulleiter persönlich Dutzende Schüler sexuell misshandelt hat. Obschon er bereits früher offen bekannt hat, Kindergartenkinder sexuell missbraucht zu haben, geniesst der Grüne Vorsitzende Daniel Cohn-Bendit in unserem nördlichen Nachbarland den Status eines Polit-Stars. Frédéric Mitterand, ein verheirateter Neffe des ehemaligen Präsidenten Frankreichs, schildert in einem Buch begeistert den Reiz seiner pädophilen Aktivitäten in Thailand und Paris. Auch die reformierte Kirche, wo fast alle Pfarrer verheiratet sind, spricht bereits von einer guten zweistelligen Anzahl von Missbräuchen. Gemäss dem Kinderhilfswerk UNICEF werden weltweit jährlich 220 Millionen (!!!) Kinder vergewaltigt, und zwar nicht im „Dunkelraum Kirche“.

Wir müssen leider nicht ins Ausland gehen, um laufend Pädophiliefällen ausserhalb der Kirche zu begegnen: Wer mag sich nicht an den mutmasslichen Massenkinderschänder Urs Hans Von Aesch erinnern, dessen jüngstes Opfer Ilenia aus Appenzell 2007 neben der Autobahn A1 vergraben wurde. Er wohnte seit eh und je mit seiner Frau zusammen. In jüngster Zeit haben wir Kenntnis von der Studentin M.C. aus Zürich, welche jahrelang von ihrem Onkel aufs Schwerste misshandelt wurde und bleibende Schäden bis ans Lebensende mit sich tragen muss, vom homosexuellen Lehrer X. in Wohlen AG, der mit einem seiner Schüler Schande getrieben hat, von der 9-jährigen Tochter eines Vaters in Luzern, welche samt der Ehefrau während sechs Jahren von diesem geschlagen, gewürgt und regelmässig vergewaltigt wurde. Wir wissen vom VBS-Kadermitarbeiter M. W., der in seinem Auto in den Jahren 2001 und 2009 am Rande eines Campingplatzes unweit von Bern mehrfach sexuelle Handlungen an einem 13-jährigen Sportclub-„Kollegen“ begangen hat, wir wissen vom Mädchen Y. in einem Winterthurer Sekundarschulhaus, welches von eigenen Mitschülern bewusstlos gewürgt und anschliessend vergewaltigt wurde, usw. – ein paar zufällig ausgewählte Beispiele äusserst tragischer und folgenschwerer Pädophiliefälle, welche allein im Monat März dieses Jahres aufgeflogen sind. Kein einziger davon hat irgend etwas mit der Kirche und dem Zölibat zu tun. Die ganze jüngste Anklageserie geht sogar bis hin zu Fällen, wo sich die Anklagen als „Luftschloss“ entpuppt haben, wo sich Leute die Anklage selber zum Sport machten.

„Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist keine Erfindung katholischer Patres und hat auch nichts mit dem Zölibat zu tun. Drei der vier Täter sind keine bösen Fremden (wie Priester oder Lehrer), sondern es ist der eigene Vater, Onkel oder Nachbar. Der Zeitgeist der sexuellen Befreiung förderte den Missbrauch.“
Nein – diese Worte sind kein Abwehrversuch des bösen Vatikans oder anderer „unprogessiver, gefangener, verkarsteter“ Personen, sondern eine Klarstellung der progressiven und linken deutschen Oberfeministin Alice Schwarzer. Pädophilie ist kein kirchliches, sondern ein gesellschaftliches Problem! Wenn der Zölibat als vermeintliche Ursache pädophiler Neigungen bekämpft werden soll, müsste korrekterweise noch viel eher die Homosexualität bekämpft werden, da in dieser Gruppe statistisch am meisten pädophile Veranlagungen und Vergehen zu verzeichnen sind.

Ohne jeglichen Zweifel stehen durch die vorliegende Situation viele katholische Amtsträger in einem grossen Akt der Demut. Dabei muss aber sauber zwischen Kirche, Amt und Person differenziert werden. Wer die Kirche einfach als Ganzes verurteilt und obendrein noch das ehelose Leben für Pädophilie verantwortlich macht, entpuppt sich als ideologiegesteuerter, unsachlicher Hetzer. Niemandem käme es in den Sinn, die Institution Universität generell zu beschuldigen und mit Anklagen zu überhäufen, weil in den vergangenen 200 Jahren schon Hunderte von Professoren sich pädophil versündigt haben. Dafür, dass es weltweit gegen eine Million ehelose Priester gibt, ist die Rate der Kindsschänder unter ihnen sogar verschwindend klein.

PS: Die Mehrheit in unserem Land will offensichtlich ein „aufgeklärtes“, von Gott getrenntes, säkularistisch-liberalistisches Werte- und Normsystem ohne jegliche Einschränkungen im Ausleben persönlicher Vorzüge. Diese Mehrheit stellt andere sexuelle Neigungen, denen Menschen unterworfen sein können, nicht selten auf militante Weise als „angeboren“ und „unveränderbar“ hin. So Gepolte sollen ihre Neigungen (z.B. auch das Adoptieren von Kindern) per Gesetz ohne jegliche Hindernisse ausleben dürfen. Ob dabei Beteiligte lebenslänglich geschädigt werden, interessiert kaum jemanden (und darf wahrscheinlich auch nicht interessieren). Wäre es in besagtem, gewolltem Wertesystem nicht eine rein logische und vernünftige Konsequenz, wenn auch pädophil geneigte Personen ihre Vorzüge frei ausleben dürften? Warum also diese Aufruhr?

Quellen: FOCUS Magazin, 16.6.2003; Der Spiegel, 30.6.2004; ZDF heute Magazin, 2.7.2004; Blick am Abend, 1.3.2010; Tages-Anzeiger, 2.3.2010; www.zenit.org, 2.3.2010; Blick am Abend, 9.3.2010; www.tagesanzeiger.ch, 13.3.2010; kath.net, 12.3.2010; Katholische Wochenzeitung, 12.3.2010; www.tagesanzeiger.ch, 15.2.2010; www.kath.net, 15.3.2010; www.medrum.de, 17.3.2010; www.andreas-unterberger.at, 18.3.2010; 20Minuten, 19.3.2010; www.kath.net, 19.3.2010