Eine Grundschule in Eastleigh (Hampshire) sorgt derzeit für heftige Kontroversen. Die Norwood Primary School hat beschlossen, die traditionellen Osterfeierlichkeiten abzusagen – offiziell aus Rücksicht auf die religiöse Vielfalt innerhalb der Schulgemeinschaft. Doch statt Zustimmung erntet die Entscheidung massive Kritik von Eltern, Medien und zahlreichen Bürgern. Ist dies ein weiteres Beispiel dafür, wie übertriebene Inklusivität zu kultureller Selbstverleugnung führt?
Von M. Hikmat
Wie aus einem offiziellen Schreiben der Schulleiterin Stephanie Mander hervorgeht, wurden sowohl die beliebte „Easter Bonnet Parade“ als auch der traditionelle Ostergottesdienst gestrichen. Die Begründung: Man wolle den unterschiedlichen religiösen Überzeugungen innerhalb der Schulgemeinschaft Rechnung tragen. Wörtlich heisst es: „Wir verstehen, dass diese Änderung für manche enttäuschend sein kann, insbesondere für diejenigen, die diese Traditionen über Jahre hinweg gepflegt haben. Wir glauben jedoch, dass diese Entscheidung mit unseren Werten der Inklusivität und des Respekts für Vielfalt im Einklang steht.“
Stattdessen wolle die Schule sich verstärkt in die jährliche „Flüchtlingswoche“ (engl. Refugee Week) im Juni 2025 einbringen und arbeite daran, sich als „Schule der Zuflucht“ zu etablieren. Das Hauptziel der Woche ist es, durch das Organisieren von Veranstaltungen und Workshops Empathie für das Thema zu fördern und Flüchtlinge als wichtigen Teil der Gesellschaft darzustellen.
Wo bleibt die christliche Kultur?
Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten: In sozialen Netzwerken brach ein Sturm der Entrüstung los. Zahlreiche Eltern kritisierten die Entscheidung scharf und sahen darin eine Diskriminierung christlicher Traditionen.
Ein empörter Kommentator schrieb: „Was Sie mit der Absage von Ostern getan haben, ist ungeheuerlich. Schämen Sie sich.“ Andere fragten ironisch, ob nun auch Weihnachten gestrichen werde, um niemanden zu „verletzen“. Besonders pikant: Trotz der Absage ihrer Osterfeier bewarb die Schule auf ihrem Facebook-Kanal weiterhin Osteraktivitäten – für viele Kritiker ein Zeichen der Doppelmoral.
Der Vorfall wirft eine grundlegende Frage auf: Ist religiöse Vielfalt wirklich nur dann gewährleistet, wenn christliche Traditionen geopfert werden? Während muslimische, hinduistische oder jüdische Feiertage weiterhin öffentlich gefeiert werden dürfen, geraten christliche Feste immer häufiger unter Druck.
Feindseligkeit und Spott gegenüber Christen
Die Umfrage „The Costs of Keeping the Faith“ der christlichen Menschenrechtsorganisation „Voice for Justice“ ergab, dass mehr als die Hälfte der befragten Christen in Grossbritannien Feindseligkeiten und Spott erfahren, wenn sie über ihren Glauben sprechen. Insbesondere in der jüngeren Altersgruppe unter 35 Jahren berichteten 61 Prozent von solchen Erfahrungen. Die Schulen hätten eine besonders feindliche Einstellung zum christlichen Glauben. Dies führe sogar dazu, dass Eltern ihre Kinder ermutigten, über ihren Glauben zu schweigen, um Mobbing und Hänseleien zu vermeiden.
Lynda Rose, die Direktorin von „Voice for Justice UK“, sagte: „Das Christentum bildet das Fundament der britischen Gesellschaft und untermauert unsere Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt. Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass Christen im Vereinigten Königreich sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Gesellschaft zunehmend diskriminiert und ausgegrenzt werden.“
Das britische Bildungssystem steht zunehmend vor der Herausforderung, Inklusion und Tradition in Einklang zu bringen. Die Entscheidung der Norwood Primary School ist sehr bedenklich. Wenn christliche Feiertage sukzessive aus Rücksicht auf andere Religionen gestrichen werden, ist das nicht Vielfalt, sondern eine Einbahnstrasse der kulturellen Selbstverleugnung.
Die britische Regierung hat sich bislang nicht offiziell zu dem Fall geäussert. Doch die Debatte wird weitergehen, denn viele Briten sind nicht bereit, ihre Traditionen einfach aufzugeben.
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